ANDERS TEGLUND

Kungsbacka (SWE)

Klaviermelodien über das Leben eines Mieters.

Anders Teglund über die Aufnahmen zu Björkris I:

Als Kind habe ich die meiste Zeit Klavier gespielt. Als Teenager habe ich dann angefangen in Rockbands zu spielen. Damit machte ich auch als Erwachsener weiter. Zehn Jahre lang tourte ich regelmäßig mit der Metal-Band
Cult of Luna, mit Mattias Alkberg und mit der Popband Convoj. Aber dann schlug das Leben eine neue Richtung ein.

Ich habe aufgehört in den Bands zu spielen, ich  wurde Familenvater, meine Beziehung ging in die Brüche. Ich zog in ein Wohngebiet namens
Björkris. Hier kaufte ich ein akustisches Klavier in einem Second-Hand-Laden.

Ich musste meine Sicht auf die Musik und ihren Platz in meinem Leben überdenken. Ich fing wieder an zu Klavier zu spielen. Immer nachdem ich meine Tochter ins Bett gebracht habe.

Meine Beziehung zur Musik war lange Zeit von Projekten bestimmt – Songwriting, Promotiontermine, Aufnahme, Tourneen. Der Klavierunterricht wurde etwas anderes, wie eine Freizone und eine Alternative zu dem Abendspaziergang, den ich nicht mehr machen konnte, weil ich alleine mit meiner Tochter lebte.

Musik als Spaziergang zu sehen, eröffnet völlig neue Wege. Die Prämisse des Spaziergangs ist anders. Es ist im wesentlichen ein Moment, eine Art den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und sich zu entspannen. Man kann diese Spaziergang nicht mit physischen Spaziergängen vergleichen, die andere Leute machen. Ich frag mich eher, ob mein Spielen von ausreichender Qualität ist oder ob ein bisschen besser geübt werden sollte, besonders das Teil am Ende, ob es eine Kopie eines anderen sehr bekannten Spaziergangs ist.

Das Klavierspielen in einer Mietwohnung hat andere Einschränkungen und Herangehensweisen als in einem Proberaum. Ich bin ständig von einem anonymen und nicht zuletzt unfreiwilligen Publikum in Form meiner Nachbarn umgeben.
Das hat meine Spielweise geprägt, ich vermeide es, mich zu oft zu wiederholen, spiele keine unvollendeten Lieder und widme mich nicht den Skalenübungen. Stattdessen entsteht jede Nacht brandneue Musik, die oft improvisiert wird, und wenn sie „falsch“ wird, entscheide ich mich, weiterzumachen oder einen neuen Weg einzuschlagen.

Es gibt  Melodien in Dur, Moll und Mai bis 22 Uhr, wenn es im Haus ruhig sein soll.

So mache ich das jetzt seit fünf Jahren. Eines Abends habe ich einen Klavierclip auf Instagram gepostet. Mein Freund Hans Olsson Brookes, der im Svenska Grammofonstudio in Göteborg arbeitet, hat mich angeschrieben und vorgeschlagen, mein Klavierspiel aufzunehmen. Gesagt und getan. Er kam ein paar Mal zu mir nach Hause und wir nahmen Melodien und Improvisationen auf meinem leicht verstimmten Schulklavier im Wohnzimmer auf. Dann haben wir Martin Schaub involviert, der Arrangements für Streichquartett und Bläser beigetragen hat.
Und jetzt ist es ein Album geworden. Ein Spaziergang in meiner Mietwohnung, in der Gegend von Björkris, wo ich außerhalb von Kungsbacka wohne.

/ Anders Teglund, April 2019

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